Naturschutz hat Geschichte!

Seit fast zweihundert Jahren engagieren sich in Deutschland Personen, Gruppen, Verbände und Institutionen für den Schutz der Natur.

Der geschichtliche Bogen reicht von naturwissenschaftlichen Gesellschaften, die sich im 19. Jahrhundert auch Fragen des Schutzes der Natur zuwandten, über die Vereine und Verbände des Natur- und Heimatschutzes, die sich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert überall in Deutschland gründeten, bis zu den Diskussionen der Gegenwart um internationale Netzwerke, Erhaltung der Biodiversität und nachhaltiges Nutzen.

Dabei war Naturschutz kein historisches Randphänomen. Naturschutz war eine zum Teil höchst erfolgreich agierende gesellschaftliche Gegen-Bewegung zur industriell geprägten Moderne. Dem ehrenamtlichen und beruflichen Engagement unzähliger Naturschützerinnen und Naturschützer ist es zu verdanken, dass heute eine ökologische Entwicklung der Industriegesellschaft ohne Naturschutz nicht mehr vorstellbar ist.

Die Stiftung Naturschutzgeschichte will die Geschichte der sozialen Bewegung Naturschutz lebendig und wirksam erhalten.

In der Vorburg von Schloss Drachenburg ist ein Ort der Erinnerung und Begegnung entstanden. Offen für alle, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Naturschutzes in Deutschland bewegt und bewegen.

Die Stiftung hat sich die Aufgabe gestellt, die Geschichte des Naturschutzes kritisch aufzuarbeiten und das gewonnene historische Wissen für die Probleme der heutigen Gesellschaft nutzbar zu machen.

Zu diesem Zweck betreibt die Stiftung Naturschutzgeschichte ein Archiv, ein Forum und ein Museum.

Aktuelles   Über uns  

Aktuelles

Neue Publikationen erschienen!

Hans-Werner Frohn, Gudrun Birkenstein, Julia Solveig Brennecke, Sabine Diemer, Eva Koch und Hans-Peter Ziemek: Perspektivwechsel: Naturpraktiken und Naturbedürfnisse sozialökonomisch benachteiligter Menschen. Eine qualitative Pionierstudie.

BfN-Skripten 559. Bonn (Selbstverlag) 2020.

Sozialökonomisch benachteiligte (und bildungsferne) Menschen zeichnen sich durch eine große Naturferne aus. Dieses Narrativ, d. h. diese ‚große Erzählung‘ ist seit über anderthalb Jahrhunderten in Stein gemeißelt. In der Geschichte finden sich zwar immer wieder einmal Zweifel an dieser Erzählung. Doch die seit 2009 zweijährlich durchgeführten Naturbewusstseinsstudien schienen dieses Narrativ empirisch zu belegen – auch weil spezielle Angebote kaum oder nicht nachgefragt wurden.

Ein interdisziplinäres Team nahm einen Perspektivwechsel vor. Statt der Angebote stand eine – potenzielle – Nachfrage im Mittelpunkt. Über ein Methodenset generierte ein Forschendenteam in Gelsenkirchen, Leipzig und Köln entsprechende Daten. Die Auswertung ergibt, dass sich weitverbreitete bestehende alltägliche Naturpraktiken und Bedürfnisse nach Naturerleben nachweisen lassen. Naturerleben ist Bestandteil der Lebensqualität. Und: Natur ist ein Kompensationsort für alltäglich erfahrene soziale Ausgrenzungen.

Die Publikation ist online verfügbar unter: www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript559.pdf

Christiane Schell, Margret Engelhard, Hans-Werner Frohn und Lars Berger (Hrsg.): Neue Gentechniken und Naturschutz – eine Verhältnisbestimmung.

BfN-Skripten 546. Bonn (Selbstverlag) 2019.

Für den Naturschutz stellen die sogenannten neuen Gentechniken ein Novum dar, da hier Vorschläge vorliegen, gentechnisch veränderte Organismen (GVO) als Instrument im Naturschutz aktiv einzusetzen. Dies bringt neben weitreichenden Herausforderungen im Bereich der Umweltrisikoprüfung für gentechnisch veränderte Populationen, Ökosysteme und Schutzgebietsregime auch grundlegende konzeptionelle Fragestellungen – und auch Fragen der Akzeptanz – mit sich. Diese berühren Schlüsselbegriffe wie Natur, Natürlichkeit / Künstlichkeit, Schutz, Art sowie das Verhältnis von Natur und Technik. Ist es beispielsweise legitim, eine geschützte Art gentechnisch zu verändern? Und inwieweit hat dies einen Einfluss auf den Schutzstatus?

Der Band enthält die zu Aufsätzen fortentwickelten Vorträge des Expert*innenworkshops „Neue Gentechniken und Naturschutz – eine Verhältnisbestimmung“ sowie die zentrale Inhalte der intensiven Diskussionen während dieses Workshops, den die Stiftung Naturschutzgeschichte für das Bundesamt für Naturschutz vor- und nachbereitete, wieder.

Die Publikation ist online verfügbar unter: www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript546.pdf

Hans-Werner Frohn (Hrsg.): Zum Umgang mit der NS-Vergangenheit im Naturschutz. Entnazifizierungsverfahren führender deutscher Naturschützer und der Fall Wolfgang Engelhardt.

(Mensch – Natur – Kultur. Für die Stiftung Naturschutzgeschichte hrsg. v. Hans-Werner Frohn, Hansjörg Küster, Friedemann Schmoll und Hans-Peter Ziemek, Band 01) München (oekom) 2019, 344 S., kartoniert, 32,00 €, ISBN 978-3-96238-164-6

Etliche führende Naturschützer mussten sich ab 1945 einem Entnazifizierungsverfahren stellen. Die damit verbundene Chance zu einer (selbst-)kritischen Auseinandersetzung mit dem ‚Dritten Reich‘ nutzten sie kaum. Eigene Verstrickungen in den Nationalsozialismus leugneten oder relativierten sie meist: Man habe stets nur im Interesse des Naturschutzes gehandelt. Auch in den folgenden Jahrzehnten war der Naturschutz Teil des allgemeinen „Beschweigens“ der NS-Verbrechen.

Der Band untersucht den Umgang des Naturschutzes mit seiner Vergangenheit im Allgemeinen und den Fall Wolfgang Engelhardt (1922-2006) im Besonderen. Engelhardt, langjähriger Präsident des Deutschen Naturschutzringes, gehörte zu den einflussreichsten Vertretern des bundesdeutschen Verbandsnaturschutzes. Er sorgte maßgeblich dafür, dass der Naturschutz in der Demokratie ankam, doch zugleich blieb die NS-Vergangenheit für ihn ein blinder Fleck. Engelhardt selbst war, wie sich erst jetzt herausstellte, in leitender Funktion in der Hitlerjugend aktiv gewesen und als kaum 18-Jähriger der NSDAP beigetreten. In seinem Entnazifizierungsverfahren war er mit massiven Vorwürfen konfrontiert.

Die Publikation ist online verfügbar unter: www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript514.pdf

Historischer Ort

Die Stiftung Naturschutzgeschichte hat ihren Sitz am Drachenfels bei Königswinter sehr bewusst gewählt. Ihr Domizil auf dem Ensemble von Schloss Drachenburg liegt inmitten des faktisch ältesten Naturschutzgebiets Deutschlands. Bereits 1836 wurde der Drachenfels vom preußischen Staat vor der Zerstörung durch Steinbrüche gerettet.

Der Drachenfels und das Siebengebirge sind somit bedeutende Keimzellen für den deutschen Naturschutz. Viele Entwicklungen der Naturschutzgeschichte spiegeln sich hier wider: Von den ersten Schutzmaßnahmen des Staates, über die Formierung bürgerschaftlicher Schutzbemühungen und Proteste, die formalrechtliche Ausweisung zum Naturschutzgebiet, die Einrichtung eines Naturparks bis hin zu Versuchen, das Siebengebirge zum Nationalpark zu erheben.

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Förderverein

1989 gründete sich der Verein „Archiv und Museum zur Geschichte des Naturschutzes“. Unter seiner Federführung entstanden erste konzeptionelle Überlegungen zur Gründung der Stiftung Archiv, Forum und Museum zur Geschichte des Naturschutzes in Deutschland.

Nach der Gründung der Stiftung am 5. Dezember 1996 verlagerte der Verein sein Aufgabenfeld. Er unterstützt seither die Arbeit der Stiftung Naturschutzgeschichte, wirbt für sie in der Öffentlichkeit und hilft mit, Vor- und Nachlässe ehren- und hauptamtlicher Naturschützerinnen und Naturschützer einzuwerben.

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