Forum / Wissenschaft

Die Stiftung Naturschutzgeschichte lädt regelmäßig zu wissenschaftlichen Foren ein. Über den Blick in die Geschichte sollen hier Perspektiven für die aktuellen und die zukünftigen Aufgaben des Naturschutzes beleuchtet werden.

Viele dieser Foren bilden den Abschluss wissenschaftlicher Projekte, die oft durch Dritte (mit)finanziert und mitveranstaltet werden.

Die Projekte und Foren sind in der Regel interdisziplinär ausgerichtet, d.h. die jeweiligen Themen werden aus (landschafts)ökologischer, historischer, kulturwissenschaftlicher, soziologischer, geisteswissenschaftlicher und zum Teil psychologischer Perspektive beleuchtet.

Aktuelle Projekte

Bonner Gespräche zur Zukunft des Naturschutzes – Zukunft hat (auch) Vergangenheit

Der Naturschutz in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren ebenso stark gewandelt wie die naturschutzpolitischen. Als Stichworte seien hier nur Weltfinanz- bzw. Euro-Krise, demografischer Wandel (Renten- und Migrationsproblematik), Klimawandel, Gentechnik etc. genannt. Naturschutz steht derzeit mehr denn je vor der Notwendigkeit, seine Ziele und Maßnahmen in diesem politischen Umfeld neu zu justieren. Offenkundig ist, dass Naturschutz sich innerhalb des gesellschaftlichen Kontextes zu verorten hat. Naturschutz muss also selbst dafür Sorge tragen, dass es ihm nicht an der notwendigen politischen und gesellschaftlichen Unterstützung fehlt.

In einer bis 2017 reichenden, vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Tagungsreihe wird es darum gehen, den Naturschutz in den Kontext zu anderen Politikfeldern zu stellen.

Themen der Tagungen 2015-2017

„Naturschutz – natürlich sozial!“
„Naturschutz – natürlich interkulturell?!“
„Naturschutz – natürlich inklusiv!“

Deutscher Naturschutzring – Umweltkommunikation und neue Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels

Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Projekt soll innerhalb von drei Jahren (Februar 2015 bis Januar 2018) drei eng miteinander verknüpfte Zielsetzungen realisieren:

1. Die Stiftung Naturschutzgeschichte hat die Aktenüberlieferung des Deutschen Naturschutzrings (DNR) aus dem Zeitraum zwischen 1970 und 2007/8 in ihr Archiv übernommen. Dieser Bestand soll archivfachlich erschlossen und somit für die wissenschaftliche Forschung zugänglich gemacht werden. Die Unterlagen bieten einen einmaligen Quellenfundus zu mehr als drei Jahrzehnten ehrenamtlicher Lobbypolitik auf dem Feld des Natur- und Umweltschutzes in der Bundesrepublik. Die Überlieferung setzt ein zu einem Zeitpunkt, als der bundesdeutsche Naturschutz einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel erlebte. Neue Herausforderungen politischer, gesellschaftlicher und struktureller Art stellten die Vereine und Verbände vor große Aufgaben, die insbesondere den Dachverband, den DNR, beanspruchten und prägten.

2. Mit einem vergleichbaren Paradigmenwechsel sind Natur- und Umweltschutz aktuell konfrontiert. Hierüber erscheint ein Diskurs in der Umweltkommunikation dringend angeraten. Dabei ist vornehmlich ein Phänomen von Bedeutung, das sich zunehmend auch auf den Natur- und Umweltschutz auszuwirken beginnt, nämlich neue Formen des Protestes bzw. der Akzeptanzverweigerung bei raumbezogenen Planungen und Projekten. Im Rahmen eines interdisziplinären Kongresses sollen im Spätherbst 2017 die veränderte Protestkultur und ihre Folgen für den organisierten und amtlichen Natur- und Umweltschutz thematisiert werden.

3. Schließlich soll eine Handreichung für Akteure im Natur- und Umweltschutz zum Phänomen der neuen Protestkultur erstellt werden. Sie soll die Forschungsergebnisse mehrerer Disziplinen, insbesondere der Politologie, der Umweltkommunikation und der Umweltpsychologie aufnehmen. Ziel ist es, die Verantwortlichen für den Umgang mit dem zunehmenden postmaterialistischen Protest zu sensibilisieren.

„Perspektivwechsel“

Seit 2009 lassen die vom BMUB und BfN in Auftrag gegebenen Naturbewusstseinsstudien eine stark auseinandergehende Schere bei den Werten des Indikators „Bewusstsein für biologische Vielfalt“ zwischen den Unterschichtenmilieus und den „liberal-intellektuellen Milieus“ bzw. den „sozialökologischen Milieus“ erkennen. Historische Forschungen verdeutlichen, dass zwar sozialpolitisch ausgerichtete Naturschutzangebote in sehr überschaubarem Umfang bereits seit den Anfängen des Naturschutzes immer wieder unterbreitet wurden, doch zeigten sie – wie auch neuere Projekte – keine wirkliche Breitenwirkung.

Im Herbst 2016 fiel der Startschuss zu einem vom Bundesumweltministerium geförderten und auf drei Jahre angelegten Projekt „Perspektivwechsel“. In einer qualitativen Studie werden die Ursachen erforscht, warum sozialpolitische Angebote bei Angehörigen von Unterschichtenmilieus seit über 100 Jahren keine Wirkungen zeitig(t)en. Die Studie geht von der Hypothese aus, dass die bisherigen Ansätze und Projekte sich vorwiegend an den Vorstellungen und Vorgaben des Naturschutzes orientierten, jedoch nicht an den tatsächlichen Einstellungen und Bedürfnissen der Angehörigen der städtischen Unterschichten. Diese „Angebotsorientierung“ wird geprägt durch den Erfahrungshorizont der maßgeblichen Trägerschicht des Naturschutzes (Bildungsbürgertum bzw. MINT-Berufe).

Statt einer Angebots- wäre aber eine Nachfrageperspektive einzunehmen, die unmittelbar bei den betroffenen Menschen ansetzt. So soll zunächst (Grundlagen-)Wissen über die Nachfrageseite generiert werden: Welche Vorstellungen zur Bedeutung der Biodiversität sind vorhanden, wo gibt es Bedürfnisse nach welchem Naturerleben etc.? 2019 sollen dann im Rahmen eines Kongresses die Ergebnisse vorgestellt und Handlungsempfehlungen vorgelegt werden.

Perspektivwechsel: Die Bedeutung der biologischen Vielfalt für urbane sozial-ökonomisch benachteiligte Milieus und deren Lebensqualität – historische Analyse, Zustandsbeschreibung und Empfehlungen für zukünftige naturschutzpolitische Ansätze

Projektleitung:
Dr. Hans-Werner Frohn frohn@naturschutzgeschichte.de in Kooperation mit
Prof. Dr. Hans-Peter Ziemek (Justus Liebig Universität Gießen)
Projektmitarbeiter:
Floris Bernhardt, M. A. bernhardt@naturschutzgeschichte.de
Gudrun Birkenstein, M. A. birkenstein@naturschutzgeschichte.de
Dr. Julia Brennecke brennecke@naturschutzgeschichte.de
Sabine Diemer, M. A. diemer@naturschutzgeschichte.de

Frühere Projekte:

25 Jahre Nationalparkprogramm der DDR – Akzeptanzsteigerung bei der Ausweisung von Nationalparken

Am 12. September 2015 jährte sich zum 25. Mal die Verabschiedung des Nationalparkprogramms der DDR. Klaus Töpfer hat die damals geschaffenen fünf Nationalparke, sechs Biosphärenreservate und drei Naturparke als das „Tafelsilber der deutschen Einheit“ bezeichnet.

Das Nationalparkprogramm der DDR bot gleich zwei Anlässe. Zum einen sollte die historische Leistung derjenigen, die damals für die Konzeptionierung und Umsetzung des Programms verantwortlich zeichneten, historisch-kritisch gewürdigt werden.

Zum anderen wurden vor dem Hintergrund der Probleme, in neuester Zeit Nationalparke zu realisieren, mehrere Nationalparkausweisungen darauf hin analysiert, wie die Akzeptanz für neue Nationalparke gesteigert werden kann. Seit Anfang 2013 beschäftigte sich ein interdisziplinäres Team (Kulturwissenschaftlerin, Landschaftsökologe, Historiker bzw. Politologe) exemplarisch mit den Ausweisungen der Nationalparke

  • Schleswig-Holsteinisches (1972-1985) und
  • Niedersächsisches Wattenmeer (1982-1985)
  • Harz (1990-1994),
  • Eifel (2002-2004) sowie
  • dem nicht erfolgreich verlaufenen Versuch im Siebengebirge (2006-2009).

Im Mittelpunkt der Studie stand die Frage, warum die bereits mehrfach in empirischen Studien nachgewiesenen Akzeptanzkrater im unmittelbaren Umfeld der Nationalparke entstanden und wie deren Entstehung durch angemessene Kommunikationsstrategien vermieden – oder doch zumindest minimiert – werden können.

Die Ergebnisse der vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Studie und Empfehlungen zur Reduzierung der Akzeptanzkrater wurden am 11. September 2015 im Rahmen einer Tagung in der Katholischen Akademie in Berlin präsentiert. Hier berichteten auch Zeitzeugen über ihre Erfahrungen im Kontext des Nationalparkprogramms der DDR.

Die Forschungsergebnisse erschienen im Herbst 2016 in der Schriftenreihe des Bundesamtes für Naturschutz (NaBiv 148).

„Naturschutz – natürlich interkulturell?!“

2. Bonner Gespräche zur Zukunft des Naturschutzes – Zukunft hat (auch) Vergangenheit
Bonn, 22./23. November 2016

Die Migrationsbewegungen der letzten Jahrzehnte stellen auch den Naturschutz vor Herausforderungen. Die von der Stiftung Naturschutzgeschichte und dem Bundesamt für Naturschutz ausgerichtete zweite Veranstaltung im Rahmen der Dialogreihe „Bonner Gespräche zur Zukunft des Naturschutzes – Zukunft hat (auch) Vergangenheit“ widmete sich Fragen der Verknüpfung von Migration, Interkulturalität und Naturschutz.

Menschen mit Migrationshintergrund und interkulturelle Aspekte nahm der deutsche Naturschutz erst spät in den Fokus. Dies hat sich in den letzten Jahren allerdings geändert.

Kilian Delbrück (BMUB) verwies zu Beginn der Veranstaltung auf die 2007 verabschiedete Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt, die u. a. darauf setze, über einen Dialog mit anderen Akteuren und Politikfeldern Brücken zu bauen und Netzwerke entstehen zu lassen.

Thomas Graner (BfN) verwies darauf, dass im aktiven Naturschutz Menschen mit Migrationshintergrund – verglichen mit ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung – unterdurchschnittlich vertreten sind. Er plädierte für eine verstärkte interkulturelle Öffnung und einen partnerschaftlichen Austausch mit den auf Migration bezogenen Selbstvertretungsorganisationen. Im Vordergrund stehe für das BfN in diesem Zusammenhang nicht die Gewinnung von Menschen für den Naturschutz, sondern das Schaffen von Zugängen, die Ermöglichung von Teilhabe und die Förderung der Integration.

Der Migrationsforscher Jochen Oltmer (Universität Osnabrück) widerlegte die Auffassung, dass der Umfang der Migrationsbewegungen in den vergangenen Jahren weltweit vor dem Hintergrund der Globalisierung deutlich angestiegen sei. Integration sei weder für die Zuwanderer noch für die Mehrheitsbevölkerung ein Globalereignis der Anpassung an eine Gesellschaft gewesen. Sie bedeute vielmehr das langwährende, durch Kooperation und Konflikt geprägte Aushandeln von Chancen der ökonomischen, politischen, religiösen oder rechtlichen Teilhabe.

Der Biodiversitäts-Forscher Wilhelm Barthlott (Universität Bonn) fokussierte auf die Bedeutung der Religionen. Allein fünf Milliarden Menschen orientierten sich an der Bibel bzw. dem Koran. Eine besondere Gemeinsamkeit stelle hier die Geschichte von Noah (Bibel) oder Nuh (Koran) dar, die zur Bewahrung der Schöpfung und damit auch der biologischen Vielfalt aufrufe. Hier böten sich mögliche Allianzen an.

Vertreterinnen und Vertreter aus dem Sport, der interreligiösen Arbeit und aus einer kommunalen Integrationsstelle boten während einer Podiumsdiskussion einen Außenblick auf den Naturschutz, den sie u. a. auch als wenig einladend, ja belehrend wahrnehmen. Die Präsidentin des BfN, Beate Jessel, sah in der Diversität, die der Naturschutz in sich selbst berge, eine Chance. Naturschutz solle generell und speziell im Kontext des Interkulturellen noch stärker als bisher bei den Bedürfnissen der Menschen ansetzen. Vertreterinnen und Vertreter des ehrenamtlichen Naturschutzes stellten heraus, dass sie schon jetzt mit ihren Aufgaben überlastet seien und es ihnen schon aus zeitlichen Gründen schwer falle, zusätzliche interkulturelle Angebote zu entwickeln. So richtig diese Einschätzung ist, so wurde doch auch gerade in solchen Angeboten eine Chance gesehen. Denn wenn Naturschutz nicht mehr nur als eine Bewegung erlebt werde, die immer nur etwas verhindern wolle, sondern die Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Gruppen suche und Angebote mache, die Freude durch Teilhabe an der Natur für die unterschiedlichsten Gruppierungen böten, dann werde sich damit sicherlich auch eine allgemeine Steigerung der Akzeptanz für die Anliegen des Naturschutzes im Allgemeinen ergeben.

Der Umweltpsychologe und Migrationsforscher Mark Terkessides warf die Frage auf, ob Naturschutz nicht wie viele andere gesellschaftliche Gruppen bezüglich der Interkultur von einer falschen Problemdefinition ausgehe. Man unterbreite Angebote, die dann „die anderen“ aber nicht wahrnähmen. Diese Offerten müssten aber auf die Vielheit der Gesellschaft ausgerichtet werden, was einen grundlegenden Perspektivwechsel erfordere. In vom Bildungsbürgertum dominierten Gruppierungen konstatierte er einen „Gleichheitsliberalismus“, d. h. man erkläre sich für alles offen, nur „die anderen“ kämen nicht. Um aus dieser Sackgasse herauszukommen, müssten Organisationen „Vielheitspläne“ aufstellen, denn in der faktischen deutschen Einwanderungsgesellschaft müsse sich jede Organisation fragen, ob sie „fit sei für die Vielheit der Gesellschaft“. Dies gelte auch für Naturschutzeinrichtungen. Er erweiterte zudem den Begriff der Barrierefreiheit. Es gelte nicht nur physische sondern auch strukturelle Hürden zu überwinden. Über eine aufgabenorientierte Öffnung müssten sich Institutionen und Verbände der Vielheit der Gesellschaft öffnen.

Etliche vorgestellte Projekte zur interkulturellen Arbeit im Naturschutz aber auch aus dem Bereich Flüchtlingshilfe zeigten eindringlich, dass in Deutschland auf dem Feld Naturschutz – Interkulturalität – Interreligiosität durch niedrigschwellige Angebote schon Erstaunliches geleistet wird.

Tagungsprogramm (pdf) Tagungsreader (pdf)

Lina Hähnle und die demokratischen Traditionen des Naturschutzes

Tagung des NABU in Kooperation mit der Stiftung Naturschutzgeschichte am 25. Februar 2016 in Berlin

Am 1. Februar 2016 jährte sich zum 75. Mal der Tag, an dem Lina Hähnle, die Gründerin des Bundes für Vogelschutz, verstarb. Sie hat den Bund, aus dem der heutige NABU hervorging, von 1899 bis 1938 über die drei Herrschaftssysteme des Kaiserreichs, der Weimarer Republik und des „Dritten Reiches“ geleitet und maßgeblich geprägt. Der NABU hatte sich bereits 1999 anlässlich seines 100-jährigen Jubiläums intensiv mit der Rolle Lina Hähnles befasst. Seither sind jedoch eine Reihe neuer Quellen aufgetaucht und in das Archiv der Stiftung Naturschutzgeschichte eingelagert worden, die den Anlass gaben, dass der NABU gemeinsam mit der Stiftung Naturschutzgeschichte sich entschlossen, das bisherige Bild Lina Hähnles zu überprüfen. Die Tagung machte deutlich, dass die geläufige Bezeichnung Lina Hähnles als die „Vogelmutter“ dieser Frau keineswegs gerecht wird.

Zwar standen ihre Vogel- und Naturschutzaktivtäten unbestritten im Zentrum, doch darüber hinaus war sie zeitlebens auch sozial, ja sozialpolitisch engagiert. Sie war dabei durch ein demokratisches und aufgeklärtes Umfeld geprägt. Dennoch glich ihr Verhalten im „Dritten Reich“ als Vorsitzende des Bundes für Vogelschutz, der 1934 in Reichsbund für Vogelschutz umbenannt wurde, einem „Arrangieren ohne Gegenwehr“. Letztlich wirkten sie und ihr gleichgeschalteter Verband auf diese Weise systemstabilisierend. Im Privaten hingegen war sie keine Sympathisantin des Regimes und seiner Politik. Zudem zählte die Familie Hähnle zu den Opfern der NS-Rassepolitik, da ein Familienmitglied im Rahmen des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms ermordet wurde.

Die Tagung stellte Lina Hähnle und den Bund für Vogelschutz auch in einen größeren historischen Kontext, waren sie doch Teil einer breiten deutschen Naturschutzbewegung, die im Kaiserreich noch sehr bunt war, sich aber in der Weimarer Republik zusehends deutschvölkisch aufstellte. Daneben gab es aber zugleich auch demokratische Traditionen, die kaum bekannt sind. Naturschutzvereine brachten ihre Themen in die Öffentlichkeit, aber auch in die Parlamente. Bemerkenswerterweise waren es vor allem die sozialliberalen und sozialdemokratischen Fraktionen, die den politisch tendenziell konservativen Naturschutz beförderten.

Die weitere Erforschung der Verbandsgeschichte wird für den NABU mit dieser Tagung keineswegs beendet sein. Manche weiße Flecken gilt es noch auszufüllen. So ist bisher wenig darüber bekannt, welches Schicksal diejenigen Mitglieder des Bundes für Vogelschutz nach 1933 erlitten, die über einen jüdischen Hintergrund verfügten. Hier bieten neue Quellen und optimierte Rechercheverfahren anders als 1999 nun Möglichkeiten, deren Leben zu dokumentieren. Der NABU wird sich zukünftig in Kooperation mit der Stiftung Naturschutzgeschichte verstärkt dieser Thematik widmen.

Für den NABU diente die Tagung nicht allein der historischen Aufarbeitung. Vielmehr positioniert er sich damit nachdrücklich gegen aktuelle Versuche von rechtsextremistischer Seite, Naturschutzthemen für eigene politische Interessen zu instrumentalisieren. Er legte nicht nur gegen solche Extremisten ein klares Bekenntnis zu Demokratie und Parlamentarismus ab.

Zur Tagung wird im Frühjahr 2017 eine Publikation vorgelegt werden.

Tagungsprogramm (pdf)

„Naturschutz – natürlich sozial!“

Bonner Gespräche zur Zukunft des Naturschutzes – Zukunft hat (auch) Vergangenheit
24./25. November 2015

Die Naturbewusstseinsstudien des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) haben in den letzten Jahren eines deutlich gezeigt: Die Anliegen des Naturschutzes sind in den bildungs- und einkommensbenachteiligten Milieus bislang nur schwach verankert. Eine von der Stiftung Naturschutzgeschichte und dem BfN ausgerichtete Tagung nahm diesen Missstand in den Blick und lotete das Verhältnis von Naturschutz und Sozialpolitik aus, denn beide Akteure sind eigentlich „Verbündete im beiderseitigen Interesse“ (B. Jessel). Nicht zuletzt ist der Zusammenhang von Natur und Lebensqualität auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Die Natur stellt viele Güter und Leistungen bereit, die sich der Mensch zunutze macht. Deshalb ist der Zugang zur Natur, sind Angebote zum Naturerlebnis und zur Naturerfahrung zentrale Fragen sowohl für den Naturschutz als auch für sozial benachteiligte Menschen.

Historisch zeigt sich, dass es im Naturschutz immer wieder maßgebliche Akteure gab, die Konzepte entwickelten, die sowohl naturschützerische als auch soziale Ziele verfolgten.

Allerdings zeigen die historischen Erfahrungen wie auch aktuelle Erhebungen, dass die Angebote in den bildungs- und einkommensbenachteiligten Milieus nur suboptimal wahrgenommen werden.

Die Vertreterin und der Vertreter der Praxis, S. Gaja von der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit Bayern und H. Scholten vom Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen, verdeutlichten, dass sich insbesondere in Kinder- und Jugendprojekten Ziele des Naturschutzes und der Integration verknüpfen lassen. Aus wissenschaftlicher Sicht pointierten S. Hradil und K. Niebert auf den Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Naturbewusstsein. Möglichkeiten einer ressortübergreifenden Zusammenarbeit loteten Th. Graner vom Bundesamt für Naturschutz und Ch. Majewski vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit den Teilnehmern aus.

Die Präsentation verschiedener Projekte zeigte, dass die „Verbündeten im beiderseitigen Interesse“ bereits exzellente Arbeit leisten.

Tagungsreader (pdf)

Am Drachenfels fing alles an!

Facetten der Naturschutzgeschichte
Kolloquium zu Ehren von Prof. Albert Schmidt, Prof. Dr. Adelheid Stipproweit, Thomas Neiss, Dr. Hermann Josef Roth, Dr. Uwe Wegener
12. März 2013

Der Drachenfels gilt gleichsam als die „Wiege des deutschen Naturschutzes“. 1836 wurde hier erstmals ein Teil einer Landschaft um ihrer selbst willen unter Schutz gestellt. Als Ernst Rudorff 1880 das Naturschutz-Manifest „Ueber das Verhältniß des modernen Lebens zur Natur“ formulierte, gaben ihm die Pläne zum Bau der Zahnradbahn am Drachenfels den unmittelbaren Anlass.

Auch in späteren Jahren kamen aus dem Siebengebirge immer wieder Impulse für den deutschen Naturschutz. Folgerichtig hat die 1996 gegründete Stiftung Naturschutzgeschichte ihren Sitz unterhalb des Drachenfels‘ in der Vorburg von Schloss Drachenburg genommen.

Ende 1997 nahm ein erster Vorstand seine Tätigkeit auf. Vielfältige Studien sind seither zur regionalen, deutschlandweiten, aber auch zur internationalen Naturschutzgeschichte veröffentlicht oder Tagungen ausgerichtet worden. Darüber hinaus illustrierten Ausstellungen Aspekte der Naturschutzgeschichte.

Prof. Albert Schmidt, Prof. Dr. Adelheid Stipproweit, Thomas Neiss, Dr. Hermann Josef Roth und Dr. Uwe Wegener prägten über viele Jahre die Vorstandsarbeit der Stiftung Naturschutzgeschichte nachhaltig. Diese „Gründergeneration“ legte am 26. November 2012 die Verantwortung in jüngere Hände.

Der Vorstand der Stiftung Naturschutzgeschichte richtete zur Würdigung der Arbeit der „Gründergeneration“ ein wissenschaftliches Kolloquium auf Schloss Drachenburg aus.

Umweltgeschichte und aktuelle Umweltpolitik

Zeitzeugen im Gespräch mit heute in der Umweltpolitik Aktiven
11. Oktober 2012

2012 blickte die „Interparlamentarische Arbeitsgemeinschaft“ (IPA), ein Zusammenschluss von Abgeordneten der Länderparlamente, des Bundestages und des Europäischen Parlaments, auf eine 60jährige Geschichte zurück. Die IPA, die auch als die „Keimzelle der Umweltpolitik“ der Bundesrepublik Deutschland gilt, initiierte ganz maßgeblich die Umwelt- und Naturschutzpolitik der 1950er- und 1960er-Jahre. Ihre Schwerpunkte reichten vom konservierenden Naturschutz über die Landschaftspflege und -planung bis zum Schutz der Umweltmedien Boden, Wasser und Luft. In ihrem Gründungsmanifest ließen sich die Mitglieder der IPA bereits vom Grundsatz der Nachhaltigkeit leiten: Sie forderten einen pfleglichen und sparsamen Umgang des Menschen mit den „natürlichen Hilfsquellen der Erde“, der auch die Bedürfnisse der kommenden Generationen im Blick haben müsse. Die IPA verfolgte die Strategie, die anstehenden Ressourcen- und Umweltprobleme fraktionsübergreifend, interdisziplinär und konsensorientiert zu lösen.

Nach einem Einführungsvortrag von Prof. Dr. Joachim Radkau und einem Übersichtsreferat des langjährigen Geschäftsführers der IPA, Dr. Wolfgang E. Burhenne, berichteten über den bemerkenswerten Politikansatz der IPA sowie über ihre eigenen umweltpolitischen Erfahrungen die früheren Bundesminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), Volker Hauff (SPD) und Klaus Töpfer (CDU) als Zeitzeugen.

Im Mittelpunkt einer anschließenden Podiumsdiskussion mit heute aktiven Umweltpolitikern stand die Frage, wie umweltpolitische Ziele sich unter jeweils veränderten Rahmenbedingungen parlamentarisch am effizientesten durchsetzen lassen. Bietet dieses Konsensprinzip der IPA Anknüpfungspunkte für die aktuelle Umweltpolitik? Oder stellt dieser Ansatz heute nur noch einen Anachronismus dar? Darüber diskutierten Zeitzeugen mit heute in der Umweltpolitik Verantwortung tragenden Politikerinnen und Politikern.

Hans-Werner Frohn, Jürgen Rosebrock (Hrsg.): Ehrenamtliche Kartierungen für den Naturschutz. Historische Analysen, aktuelle Situation und Zukunftspotenziale (Naturschutz und Biologische Vielfalt Bd. 123) Münster (Landwirtschaftsverlag) 2013. ISBN-10: 978-3784340234

Die Bedeutung „alter Tugenden" für die Zukunft der ehrenamtlichen Kartierung im Naturschutz – am Beispiel der naturwissenschaftlichen Vereine

3./4. Februar 2012 – Tagung in Bonn

Naturschutz und ehrenamtliches Engagement gehören untrennbar zusammen. Das ehrenamtliche Engagement war und ist einer der Grundpfeiler des Naturschutzes. Gerade im Bereich der Arten- und Biotopkartierung sowie bei der Erfassung von Bestandsveränderungen erbrachten und erbringen ehrenamtliche Engagierte enorme Leistungen. Aus diesem Grund setzt daher auch die 2007 von der Bundesregierung verabschiedete Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt auf die Mitarbeit von ehrenamtlichen Kartiererinnen und Kartierern.

Doch seit einiger Zeit klagen die Verbände und Vereine im Naturschutz – aber auch darüber hinaus – über Probleme, neue Mitglieder zu gewinnen und diese zu binden.

Es besteht also Anlass, über die Rolle des Ehrenamtes im Naturschutz zu reflektieren. Um auch weiterhin freiwillig Engagierte für die Arbeit im Naturschutz motivieren und begeistern zu können, erscheint es angebracht, eine Bestandsaufnahme in eigener Sache anzugehen: Welche Wege wurden in der Vergangenheit beschritten? Wie lauten die Diagnosen für die gegenwärtige Situation? Welche Zukunftspotenziale hat das Ehrenamt im Naturschutz?

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den geschichts- und kulturwissenschaftlichen, psychologischen und ökologischen Disziplinen analysieren aus historischer und aktueller Perspektive die Rolle des Ehrenamtes in den Aufgabenfeldern Kartierung und Monitoring. Im Zentrum der Beiträge steht die Frage, ob in diesem Bereich „neue Wege“ für ein zukünftiges ehrenamtliches Engagement zu beschreiten sind und wie diese beschaffen sein müssten.

Hans-Werner Frohn, Jürgen Rosebrock, Friedemann Schmoll (Hrsg.): "Wenn sich alle in der Natur erholen, wo erholt sich dann die Natur?“ Naturschutz, Freizeitnutzung, Erholungsvorsorge und Sport – gestern, heute, morgen. Tagungsband zum gleichnamigen Symposium veranstaltet von der Stiftung Naturschutzgeschichte am 5. und 6. November 2008. (Naturschutz und Biologische Vielfalt, Bd. 75) Münster (Landwirtschaftsverlag) 2009. ISBN 978-3-7843-3975-7

„Wenn sich alle in der Natur erholen, wo erholt sich dann die Natur?“

Naturschutz, Freizeitnutzung, Erholungsvorsorge und Sport – gestern, heute, morgen.
5./6. November 2008

Erholung, Tourismus und Natursport spielen sich heute zumeist in Landschaften ab, die der Naturschutz in ihrer Substanz bewahrte und pflegte. Droht der Naturschutz nun zum Opfer seines eigenen Erfolges zu werden? Die moderne Spaß- und Freizeitgesellschaft fordert oft von ökologisch sensiblen Landschaften ihren Tribut. Naturschutz auf der einen und Erholung, Tourismus und Outdoor-Sportarten auf der anderen Seite geraten hier oftmals in Konflikt.

Auch wenn die Schutzbemühungen gut nachvollziehbar untermauert sind, so besteht doch immer wieder die Gefahr, dass der Naturschutz als „Spaßverderber“ wahrgenommen wird. In der demokratisch-pluralistischen Gesellschaft muss Naturschutz aber auch bemüht sein, bei den verschiedenen Nutzergruppen Akzeptanz für seine Anliegen zu suchen und zu finden.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus landschafts-ökologischen, historischen, kulturwissenschaftlichen und psychologischen Disziplinen setzten sich aus aktueller und historischer Perspektive mit dem partiell spannungsgeladenen Verhältnis von Naturschutz und Erholung, Tourismus und Natursport auseinander. Sie gaben Einblicke in die Entstehung und Entwicklung dieses Konfliktfeldes und unterbreiteten darüber hinaus konkrete Lösungsansätze und erste Erfahrungen mit derartigen Strategien.

Jürgen Büschenfeld (Hrsg.): Naturschutz und Gewässerschutz. Gegenwarts- und Zukunftsfragen in historischer Dimension. Tagungsband zum gleichnamigen Symposium veranstaltet von der Stiftung Naturschutzgeschichte am 21./22. März 2006 auf der Vorburg von Schloss Drachenburg in Königswinter. (Naturschutz und Biologische Vielfalt, Bd. 39) Münster (Landwirtschaftsverlag) 2007. ISBN 978-3-7843-3939-9

Naturschutz und Gewässerschutz.

Gegenwarts- und Zukunftsfragen in historischer Dimension
21./22. März 2006

Mit der im Jahr 2000 in Kraft getretenen Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) muss auf der Basis der derzeit erhobenen Grundlagen ein Bewirtschaftungsplan mit Maßnahmenkatalog für jedes Gewässer vorgelegt werden, um bis 2015 den guten ökologischen Zustand dieser Ökosysteme und der direkt von ihnen abhängigen Landökosysteme und Feuchtgebiete sicherzustellen.

Die WRRL bot den aktuellen Bezugsrahmen für einen vielschichtigen Diskussionszusammenhang, der mit seinen zeittypischen Ausprägungen weit in die Geschichte zurückreicht. Das vom BMU/ BfN geförderte Symposium verfolgte das Ziel, die Beziehungen zwischen Gewässerschutz und Naturschutz von der Vergangenheit bis in die Gegenwart zu verfolgen, um aus den gewonnenen Erfahrungen Schlüsse für die Zukunft ziehen zu können.

Josef Blab et al.: Rote Listen – Barometer der Biodiversität. Entstehungsgeschichte und neuere Entwicklungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. (Naturschutz und Biologische Vielfalt, Bd. 18) Münster (Landwirtschaftsverlag) 2005. ISBN 3-7843-3918-2

Rote Listen – Barometer der Biodiversität.

Entstehungsgeschichte und neuere Entwicklungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Eine Veranstaltung des Fördervereins der Stiftung Naturschutzgeschichte in Kooperation mit der ANL, Laufen
6. bis 8. Oktober 2004

Die Roten Listen haben Geschichte, Konzepte und Entwicklungen im Naturschutz während der letzten 40 Jahre mitgeprägt. Indem sie die im Naturschutz bis dahin dominierenden qualitativen Entscheidungskriterien durch bilanzierte Naturbeobachtungsdaten und damit quantitativ orientierte Maßstäbe und Werte ergänzten, wurden sie schnell zu sehr wichtigen, vielfältig einsetzbaren auch sehr vielseitig verwendeten methodischen Grundlagen des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes. Dieser Stellenwert kommt ihnen auch heute noch ungeschmälert zu. So bedeutend sich ihre Rolle im Tagtäglichen darstellt, so wenig wurde dieser Sachverhalt aber bisher in umfassender Weise analysiert und gewürdigt.

Bei der Tagung wurden sowohl die fachwissenschaftliche als auch die historische Dimension aufgearbeitet. Des Weiteren wurde auch auf den Stand der aktuellen Diskussionen sowie zukünftige Anforderungen und Entwicklungen eingegangen.

Joachim Radkau/Frank Uekötter (Hrsg.): Naturschutz und Nationalsozialismus. (Geschichte des Natur- und Umweltschutzes, Bd. 1). Frankfurt/New York (Campus-Verlag) 2003. ISBN 3-593-37354-8

„Naturschutz und Nationalsozialismus

Erblast für den Naturschutz im demokratischen Rechtsstaat?“
3. bis 5. Juli 2002

Anders als etwa die US-amerikanische Umweltbewegung, die stolz auf eine Ahnengalerie verweist, verhält sich die deutsche Natur- und Umweltschutzbewegung oft merkwürdig geschichtslos. Nicht selten gewinnt man den Eindruck, dass die Vorgeschichte der modernen Ökologiebewegung vor allem als Last empfunden wird, von der es sich nach Kräften zu distanzieren gilt. Der Fachkongress „Naturschutz und Nationalsozialismus – Erblast für den Naturschutz im demokratischen Rechtsstaat?" beschäftigte sich mit der wohl brisantesten „Altlast": der Geschichte des Natur- und Landschaftsschutzes im „Dritten Reich".

Die Konferenz, die das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit angestoßen hatte und finanzierte und an der renommierte Forscherinnen und Forscher teilnahmen, nahm eine Standortbestimmung jenseits von Apologie und Anklage vor. Die Tagungsergebnisse liegen in publizierter Form vor:

Stiftung Naturschutzgeschichte (Hrsg.): Naturschutz hat Geschichte. Eröffnung des Museums zur Geschichte des Naturschutzes – Fachtagung „Naturschutz hat Geschichte“. (Veröffentlichungen der Stiftung Naturschutzgeschichte, Bd. 4) Essen (Klartext-Verlag) 2003. ISBN 3-89861-193-0

„Naturschutz hat Geschichte“

13. März 2002

Am 12. März 2002 eröffnete der damalige Bundespräsident Johannes Rau feierlich das Museum zur Geschichte des Naturschutzes in Deutschland. Am darauffolgenden Tag lud die Stiftung Naturschutzgeschichte zu einem Forum „Naturschutz hat Geschichte“. Die Vorträge boten einen Überblick über den damaligen Forschungsstand: Von den Anfängen des Naturschutzes im 19. Jahrhundert bis zum Naturschutz der Wendezeit in der DDR. Sie zeigten, dass die Geschichte des Naturschutzes nicht bloße Fachhistorie ist, sondern eine Fülle von gesamtgesellschaftlichen Bezügen aufweist. Letztlich greift sie eine der Grundfragen der modernen Gesellschaft auf: den Umgang des Menschen mit der Natur.

Stiftung Naturschutzgeschichte (Hrsg.): „Keine Berufsprotestierer und Schornsteinkletterer“. 25 Jahre BUND in Nordrhein-Westfalen. (Veröffentlichungen der Stiftung Naturschutzgeschichte, Bd. 3) Essen (Klartext-Verlag) 2003. ISBN 3-89861-196-5

25 Jahre BUND in NRW

26. Januar 2002

Die Stiftung Naturschutzgeschichte richtete am 26. Januar 2002 in Zusammenarbeit mit dem BUND-NRW und der Universität Siegen – Institut für Europäische Regionalforschung – ihr erstes Forum aus. Das Thema lautete: „Umwelt- und Naturschützer in den 1970er und frühen 1980er Jahren, ein von Gemeinsamkeiten, Nebeneinander oder Konflikten geprägtes Verhältnis, dargestellt am Beispiel des BUND NRW“.

Mit dem Bund für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland (BUND) entstand 1975 auf Bundesebene erstmals ein Verband, in dem sich sowohl Natur- als auch Umweltschützer unter einem Dach zusammenfanden. Beide Bewegungen hatten mehr als ein Jahrhundert für den Schutz von Natur und Umwelt gekämpft. Sie taten dies allerdings aus unterschiedlichen Motiven und mit unterschiedlichen Methoden. Und sie agierten in der Regel unvernetzt nebeneinander her. Die Naturschützer hatten vornehmlich mit ästhetischen Argumenten um den Schutz der Natur gerungen. Mit technischen Maßnahmen hatten hingegen Umweltschützer die Schäden, die in Folge der Industrialisierung entstanden, eindämmen wollen.

Anfang der 1970er-Jahre erfolgte ein grundlegender Wandel: Natur- und Umweltschutz gelang unter der sozial-liberalen Koalition nach 1969 ein politischer Durchbruch. Die sozialen Bewegungen näherten sich einander an.

Die Tagungsbeiträge wurden in dem Band „‚Keine Berufsprotestierer und Schornsteinkletterer’. 25 Jahre BUND in Nordrhein-Westfalen 2002“ publiziert. Der Band zeichnet am Beispiel des nordrhein-westfälischen Landesverbandes des BUND den Prozess der Annäherung nach. Dabei werden auch die Schwierigkeiten aufgezeigt, die sich daraus ergaben, dass Natur- und Umweltschützer im Laufe ihrer Geschichte unterschiedliche Mentalitäten entwickelt hatten, die eine gemeinsame Arbeit erschwerten.

www.bund-nrw.de