Deutsches Museum für Naturschutzgeschichte

Gleichsam am Geburtsort des deutschen Naturschutzes präsentiert die Stiftung Naturschutzgeschichte den Besucherinnen und Besuchern des Ensembles von Schloss Drachenburg einen Überblick über die Geschichte des Naturschutzes in Deutschland.

Das Museum zeigt über zwei Etagen der Vorburg auf höchst interessante Weise die großen Entwicklungslinien der sozialen Bewegung Naturschutz auf.

Überall bieten interaktive Elemente den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, sich auf eine Entdeckungsreise durch die Naturschutzgeschichte zu begeben.

Die Ausstellung wurde dankenswerterweise durch die NRW-Stiftung Natur–Kultur–Heimat gefördert.

Dauerausstellung

Die Dauerausstellung „Naturschutz hat Geschichte“ bietet den Besucherinnen und Besuchern in drei Ausstellungsräumen nicht nur einen informativen sondern auch spannenden und ansprechenden Einblick in die Geschichte des Naturschutzes in Deutschland. Immer wieder laden interaktive Elemente dazu ein, sich selbst einzubringen.

Naturschutz hat eine Geschichte – und viele Gesichter. In der Ausstellung schildern wir Geschichten über Menschen, die sich für den Schutz von Natur und Landschaft, das Grün in den Städten und den Artenschutz einsetzten. Wir erzählen, was Naturschützerinnen und Naturschützer innerlich angetrieben hat. Sie arbeiteten mit unterschiedlichen Mitteln und wechselndem Erfolg. Eines aber ist sicher: Ohne ihr Engagement wäre unsere heutige Umwelt um vieles ärmer.

In der Dauerausstellung „Naturschutz hat Geschichte“ präsentieren wir fünf wesentliche Aktivitätsfelder des Naturschutzes.

Zunächst können Besucherinnen und Besucher in die konkrete Naturschutzgeschichte des Siebengebirges, des „Geburtsortes“ des Naturschutzes, eintauchen. Unsere Kulturlandschaft hat sich in den letzten gut 150 Jahren grundlegend verändert. Die Präsentation veranschaulicht, wie Naturschützerinnen und Naturschützer den Landschaftswandel wahrnahmen und mit welchen Forderungen und Vorschlägen sie auf die Veränderungen reagierten.

Naturschutz lebte und lebt ganz wesentlich vom ehrenamtlichen Engagement. Viele Menschen traten für den Schutz der Vögel ein. Im zweiten Stock der Vorburg können Besucherinnen und Besucher Vogelschützerinnen und Vogelschützer gleichsam zu Hause in ihren Wohnzimmern aufsuchen.

Ehrenamtlich arbeiteten auch die so genannten Naturschutzbeauftragten. Sie wirkten im staatlichen Auftrag im Dienste des Naturschutzes.
Ein Film, der in einem kleinen Kinosaal gezeigt wird, lässt auf höchst anschauliche Weise die Geschichte des Naturschutzes in den Ballungsräumen Revue passieren.

Das Siebengebirge - die Wiege des deutschen Naturschutzes

Der Drachenfels ist gleichsam der Geburtsort des deutschen Naturschutzes. Auslöser für erste Schutzbemühungen waren Steinbrucharbeiten. Bereits im Mittelalter wurden hier Steine für den Kölner Dom gebrochen. So präsentieren wir den Besucherinnen und Besuchern in der Ausstellung eine aus Drachenfels-Trachyt gemeißelte Fiale vom Kölner Dom. 1823 wurden nach mehreren hundert Jahren die Bauarbeiten am Kölner Dom wieder aufgenommen. Die Steine sollten wiederum vom Drachenfels kommen. Doch dagegen regte sich Protest. Mit Erfolg! 1836 stellte der preußische Staat mit dem Drachenfels erstmals ein Gebiet um seiner selbst willen unter Schutz.

Der Plan zum Bau einer Zahnradbahn auf den Drachenfels veranlasste den Musiker Ernst Rudorff, 1880 ein grundlegendes Naturschutzmanifest zu verfassen.

Zwei frühe ‚Bürgerinitiativen‘, der Verschönerungsverein für das Siebengebirge (1869) und der Verein zur Rettung des Siebengebirges (1886), erreichten bis 1902, dass auch Steinbrucharbeiten in anderen Bereichen der Region beendet wurden.

Große Teile des Siebengebirges erklärte man 1923 zum Naturschutzgebiet. Der Versuch, diese einzigartige Landschaft zum Nationalpark zu erheben, wurde 2009 durch einen Bürgerentscheid gestoppt.

Über Filme in einem interaktiven Monitor erzählen wir den Besucherinnen und Besuchern, wie Naturschützer sich für den Schutz einzelner Berge im Siebengebirge einsetzten.

Mit dem beweglichen Monitor können die Besucherinnen und Besucher die wechselvolle Naturschutzgeschichte einzelner Berge im Siebengebirge ansteuern.

Das Siebengebirge ist (nicht nur) für den Naturschutz eine geschichtsträchtige Region.

Wandel der Kulturlandschaft

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts veränderten Land- und Forst-wirtschaft, aber auch die Industrie und das Verkehrswesen unsere Landschaft grundlegend. Diese Umformungen waren ein entscheidender Auslöser dafür, dass Menschen begannen, sich Gedanken um den Landschaftsschutz zu machen. Dem Denken folgten Forderungen und Proteste. Doch dabei blieb es nicht. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts unterbreiten Naturschützer Konzepte, wie man die Veränderungen der Landschaft naturverträglicher gestalten kann.

Eine Gruppe Naturschützer trat zu Beginn des 20. Jahrhunderts für den Schutz der ihnen vertrauten, seit Jahrhunderten langsam gewachsenen Landschaft ein. Eine andere Richtung wollte dagegen vor allem Reste ursprünglicher Natur als Naturdenkmale schützen.

Seit den 1920er-/1930er-Jahren entstanden Konzepte, die Veränderung der Landschaft pflegend und gestaltend zu begleiten. Gleichzeitig gewannen in der Naturschutzdiskussion völkische, ja sogar rassistische Argumente immer stärkeren Einfluss. Führende Naturschützer bauten Brücken zur „Blut-und-Boden“-Ideologie der Nationalsozialisten und kreierten Vorstellungen eines „Urdeutschlands“, in dem dem „deutschen Wald“ eine herausragende Stellung zukam.

Die deutsche Teilung trennte auch den Naturschutz. Die konkrete Arbeit in Ost und West unterschied sich aber kaum. Wiederaufbau und Wirtschaftswunder hatten im Westen, der Aufbau der Planwirtschaft im Osten absoluten Vorrang. Naturschutz musste hart um Einfluss ringen. Mitte der 1950er-Jahre drohten im Westen auch letzte Reste noch naturnaher Landschaften zu verschwinden. Naturschützer forderten, sie „um der Menschen willen“ auch als Erholungslandschaften zu erhalten. Auch in der DDR nahmen Erholungsfragen eine bedeutende Rolle in Naturschutzdiskussionen ein. Mitte der 1960er-Jahre schien die Bundesrepublik aus dem Gröbsten heraus. Eine alte Idee wurde wieder aufgegriffen, nämlich Reste von Wildnis sich selbst zu überlassen. 1970 wurde dieser Traum mit dem Nationalpark Bayerischer Wald umgesetzt. In den 1970er-Jahren änderte sich Vieles im Naturschutz. Der Naturschutz beansprucht seitdem Einfluss auf die ganze Landschaft und sucht die Zusammenarbeit mit Landnutzern. Planung wird immer wichtiger.

Diese Eichenallee im niedersächsischen Lauenstein rettete Ernst Rudorff 1886 vor dem Abholzen, indem er sie kurzerhand kaufte.

Das „Grüne Band“: Einst eine trennende Grenze zwischen Ost- und Westeuropa, heute ein ungemein wertvolles und größtenteils geschütztes Biotopverbundsystem.

Ehrenamt am Beispiel Vogelschutz

Naturschutz war und ist vor allem eine Bewegung von Menschen, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren. Ehrenamtlich tätige Frauen und Männer waren die Wegbereiter des Naturschutzes. Ohne ihre unermüdliche Arbeit sähe unsere Natur heute anders aus.

Viele von ihnen setzten sich für den Vogelschutz ein. Vögel haben die Menschen schon immer fasziniert. Sie lösen große Gefühle aus: Die Schönheit ihres Fluges und ihres Gesangs, die Freiheit, nicht an Ländergrenzen gebunden zu sein, ja, sie beherrschen den Himmel, der damals für Menschen noch unerreichbar war. Gleichzeitig sind Vögel aber auch Indikatoren für Natur- und Umweltbeeinträchtigungen.

In der Dauerausstellung präsentieren wir den Besucherinnen und Besuchern unter dem Motto „Vogelliebe“ Menschen, die sich in unterschiedlichen Zeiten auf bemerkenswerte Weise für den Schutz der Himmelsbewohner einsetzten.

Wir veranschaulichen insbesondere, dass sie große Kampagnen organisierten. Sie erreichten damit, dass bestimmte Verhaltensweisen wie zum Beispiel das Verspeisen von Singvögeln oder das Tragen von mit Vogelbälgen geschmückten Damenhüten zum Tabu wurden. Über ihre schon damals sehr moderne Öffentlichkeitsarbeit gelang es ihnen, große Teile der Öffentlichkeit für die Anliegen des Vogelschutzes im Besonderen und des Naturschutzes im Allgemeinen zu gewinnen.

Blick in den Ausstellungsteil „Ehrenamt am Beispiel des Vogelschutzes“

Ein Großwildjäger wird zum überzeugten Naturschützer: Carl Georg Schillings unterstützte maßgeblich die Kampagne der deutschen Vogelschützer gegen die Federmode.

Naturschutzbeauftrage

Staatlicher Naturschutz wurde in Deutschland bis in die 1970er-Jahre ganz wesentlich von ehrenamtlich tätigen Menschen ausgeübt. Die Grundlegung der Strukturen im staatlichen Naturschutz erfolgte bereits 1906 durch die Etablierung der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen. Ihr fehlte es an allem: an Geld, bis 1935 an einem deutschlandweit gültigen und durchschlagkräftigen Gesetz, vor allem aber an Personal.

In den Provinzen, den Regierungsbezirken und den Kreisen Preußens übernahmen deshalb ehrenamtlich tätige Menschen im staatlichen Auftrag Naturschutzaufgaben. In den anderen Ländern Deutschlands sah es ähnlich aus.

Die zunächst Kommissare für Naturdenkmalpflege und ab 1935 Beauftragte für Naturschutz genannten Personen wirkten oft über Jahrzehnte für die Anliegen von Natur und Landschaft. Die allermeisten sahen ihre Arbeit nicht als ein Amt sondern als eine Berufung an, der sie mit großer Leidenschaft nachgingen.

Zahlreiche Männer und auch einige Frauen setzten sich vor Ort als Landes-, Bezirks- oder Kreisbeauftragte für den Naturschutz ein.

Der Oldenburgische Bezirksbeauftragte für Naturschutz, Prof. Dr. Wolfgang Hartung (1907-1995) bei einer Exkursion.

Stadt:Natur

Naturschutz und Stadt – dies schien sich lange Zeit geradezu auszuschließen. Denn seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verdrängten Fabriken, Zechen, Wohnsiedlungen und Straßen die Natur in den Städten. Doch dies blieb nicht ohne Folgen. Bald wurden die Menschen in den Städten von massiven Umweltproblemen heimgesucht: Abfallberge, verpestete Luft, verschmutzte Gewässer und kaum noch ein grünes Fleckchen zum Erholen.

Planer, Vereine und erste Naturschützer traten deshalb dafür ein, dass auch den Städtern Natur wieder zugänglich gemacht werden müsse. Wir präsentieren einen Film, der eine Familie bei ihrer Entdeckungsreise durch das Ruhrgebiet und den Emscher Landschaftspark begleitet. Über 100 Jahre Gestaltungs- und Schutzbemühungen haben hier eine einzigartige Naturvielfalt entstehen lassen!

In einem kleinen Kinosaal präsentiert die Ausstellung einen kurzen Film zur Natur in der Stadt. Seine Botschaft: Stadt und Natur(schutz) sind heute längst keine Gegensätze mehr.

Die Interparlamentarische Arbeitsgemeinschaft (IPA)

Die Interparlamentarische Arbeitsgemeinschaft (IPA) war ein fraktionsübergreifender Zusammenschluss von Abgeordneten des Bundestages und der Länderparlamente. Sie nahm 1953 ihre Arbeit auf.Die Mitglieder der IPA nahmen sich umweltpolitischer Themen an zu einer Zeit, als es dieses Politikfeld in der Bundesrepublik offiziell noch gar nicht gab. Mitten in den Wirtschaftswunderzeiten der 1950er-Jahre sprachen sie vom nachhaltigen Umgang mit Ressourcen als politischer Aufgabe und suchten nach tragfähigen Lösungen. Die Öffentlichkeit erfuhr kaum etwas über die IPA und ihre Leistungen. Bewusst fern der Medien arbeiteten die IPA-Mitglieder sach- und ergebnisorientiert. Auf ihre Initiative hin und dank ihrer Hartnäckigkeit entstanden Gesetze zur Raumordnung, zum Lärmschutz sowie auf anderen Feldern des Natur- und Umweltschutzes, die bis heute nachwirken und unsere unmittelbare Lebenswelt prägen. 2013 stellte die IPA ihre Arbeit ein.

Die Stiftung Naturschutzgeschichte übernahm 2007 den Aktenbestand der IPA. Im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projektes wurde dieser Bestand ausgewertet.

Aus dem Projekt gingen drei Produkte hervor:

eine Publikation über die IPA-Mitglieder als Wegbereiter der bundesdeutschen Umweltpolitik

zur Publikation

eine multimediale Info-Station zur IPA im Deutschen Museum für Naturschutzgeschichte

zur IPA-Station

Unterrichtsmaterialien für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II in den Fächern Geschichte, Sozialwissenschaften und Geografie

zu den Unterrichtsmaterialien

Jürgen Rosebrock: Wegbereiter der bundesdeutschen Umweltpolitik. Eine kleine Geschichte der Interparlamentarischen Arbeitsgemeinschaft. (DBU-Umweltkommunikation, Band 3) München (oekom-Verlag) 2014, 160 S., kartoniert, 19,95 € ISBN 978-3-86581-683-2

Die multimediale Info-Station zur IPA im Deutschen Museum für Naturschutzgeschichte

Unterrichtsmaterialien