Naturschutz hat Geschichte!

Seit fast zweihundert Jahren engagieren sich in Deutschland Personen, Gruppen, Verbände und Institutionen für den Schutz der Natur.

Der geschichtliche Bogen reicht von naturwissenschaftlichen Gesellschaften, die sich im 19. Jahrhundert auch Fragen des Schutzes der Natur zuwandten, über die Vereine und Verbände des Natur- und Heimatschutzes, die sich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert überall in Deutschland gründeten, bis zu den Diskussionen der Gegenwart um internationale Netzwerke, Erhaltung der Biodiversität und nachhaltiges Nutzen.

Dabei war Naturschutz kein historisches Randphänomen. Naturschutz war eine zum Teil höchst erfolgreich agierende gesellschaftliche Gegen-Bewegung zur industriell geprägten Moderne. Dem ehrenamtlichen und beruflichen Engagement unzähliger Naturschützerinnen und Naturschützer ist es zu verdanken, dass heute eine ökologische Entwicklung der Industriegesellschaft ohne Naturschutz nicht mehr vorstellbar ist.

Die Stiftung Naturschutzgeschichte will die Geschichte der sozialen Bewegung Naturschutz lebendig und wirksam erhalten.

In der Vorburg von Schloss Drachenburg ist ein Ort der Erinnerung und Begegnung entstanden. Offen für alle, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Naturschutzes in Deutschland bewegt und bewegen.

Die Stiftung hat sich die Aufgabe gestellt, die Geschichte des Naturschutzes kritisch aufzuarbeiten und das gewonnene historische Wissen für die Probleme der heutigen Gesellschaft nutzbar zu machen.

Zu diesem Zweck betreibt die Stiftung Naturschutzgeschichte ein Archiv, ein Forum und ein Museum.

Aktuelles   Über uns  

Aktuelles

Neu erschienen:
Rechte Aktivitäten im Naturschutz.

Dass Naturschutz aufgrund eines größeren Teils seiner Akteure, die ihn völkisch-rassistisch grundierten, eine schwere historische Bürde trägt, ist allseits bekannt.

Die nichtdemokratische Rechte in Deutschland hat sich in den letzten ca. zehn Jahren stark gewandelt. Vertraten die ‚alten‘ Rechten offenen Rassismus, so verfolgt die ‚neue Rechte‘ eine Ideologie des Ethnopluralismus. Sie propagieren die „Vielfalt der Völker und Kulturen“. Ein zentraler Slogan lautet: „Wir lieben das Fremde. In der Fremde!“. Letztlich dient diese Ideologie aber nur dazu, den Rassismus zu verbrämen.

Die neurechte Szene ist breit aufgestellt. Sie reicht von einem völkischen Rechtspopulismus über rechtsextreme Kreise wie die Partei „DER DRITTE WEG“ oder Identitäre bis in Teile der Reichsbürgerschaft.

Angesichts vermehrt feststellbarer Versuche neurechter Einflussnahmen auf den Naturschutz gab der NABU bei der Stiftung Naturschutzgeschichte und bei Prof. Dr. Wolfgang Schroeder (Universität Kassel, Wissenschaftszentrum Berlin) eine qualitativ-quantitative Studie in Auftrag. Um Daten zu Wahrnehmungen, Betroffenheiten, Umgangsformen sowie inhaltlichen Interventionsfeldern zu generieren, wurden Online-Fragebögen an alle 15 Landesverbände des NABU, dessen Partner, dem Landesbund für Vogelschutz Bayern, sowie 1.092 örtliche NABU-Gliederungen versandt. Die Befragung fand vom 19. März bis 15. Juli 2021 statt. Da sich alle NABU-Landesverbände an der Umfrage beteiligten, gelang hier eine Vollerhebung. Auf der lokalen Ebene betrug der Rücklauf 23,3%. Dabei zeigte sich, dass die Hälfte der Landesverbände, aber auch ca. 5% der örtlichen Gliederungen des NABU sich in den letzten fünf Jahren neurechter Einflussnahmen zu erwehren hatten.

Bei den konkreten Versuchen der Einflussnahme zeigt sich seit 2018, dass Neurechte bemüht sind, den Zielkonflikt zwischen Artenschutz und dem forcierten Ausbau der erneuerbaren Energien zu vertiefen, indem sie sich Artenschutz*innen als Kooperationspartner andienen. Entgegen den Erwartungen müssen sie dabei nicht ethnopluralistisch argumentieren, sondern beziehen sich auf wissenschaftliche Studien etc. Für Naturschutzakteure sind sie also nur sehr schwierig als Neurechte zu identifizieren.

Die Studie zeigt, dass Neurechte gezielt in Richtung Naturschutz intervenieren. Neurechte reklamieren offen mit dem Slogan „Ökologie ist rechts!“ für sich die Deutungshoheit im Naturschutz. Die Studie ist online abrufbar unter https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/nabu/220718-nabu-broschuere-rechte-aktivitaten-im-naturschutz.pdf

Neues Projekt:
Reaktionsstrategien gegen rechtspopulistische Interventionen im Naturschutz

Mit dem Problemfeld Naturschutz und Rechtspopulismus / -extremismus beschäftigt sich seit 2020 die Umweltminister*innenkonferenz. Sie beschloss u. a., ein „Aktionsprogramm Naturschutz gegen Rechtsextremismus“ zu entwickeln. In diesem Kontext schrieb das Bundesamt für Naturschutz im Sommer 2022 ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben „Reaktionsstrategien gegen rechtspopulistische Interventionen im Naturschutz“ aus. Zusammen mit Prof. Dr. Wolfgang Schroeder (Universität Kassel, Wissenschaftszentrum Berlin) bewarb sich die Stiftung Naturschutzgeschichte und erhielt im September 2022 den Zuschlag.

Das Vorhaben setzt sich aus drei Modulen zusammen. In einem ersten Modul „Identifikation und Wirkungsanalyse rechtsradikaler Interventionen im deutschsprachigen Naturschutz im Zeitraum von 2018 bis heute“ werden fünf Fallstudien zu konkreten neurechten Versuchen der Einflussnahme auf den Naturschutz entstehen. In einem zweiten Modul „Quantitative Erfassung rechtsradikaler Interventionen in Deutschland“ werden bei drei großen Naturschutzverbänden Online-Befragungen stattfinden. Im dritten Modul sollen Vorschläge zu konkreten Maßnahmen, Programmen und Aktivitäten etc. zur Umsetzung des Aktionsprogramms ‚Naturschutz gegen Rechtsextremismus‘ sowie Empfehlungen zu zukünftigen Reaktionsstrategien entwickelt werden.

Historischer Ort

Die Stiftung Naturschutzgeschichte hat ihren Sitz am Drachenfels bei Königswinter sehr bewusst gewählt. Ihr Domizil auf dem Ensemble von Schloss Drachenburg liegt inmitten des faktisch ältesten Naturschutzgebiets Deutschlands. Bereits 1836 wurde der Drachenfels vom preußischen Staat vor der Zerstörung durch Steinbrüche gerettet.

Der Drachenfels und das Siebengebirge sind somit bedeutende Keimzellen für den deutschen Naturschutz. Viele Entwicklungen der Naturschutzgeschichte spiegeln sich hier wider: Von den ersten Schutzmaßnahmen des Staates, über die Formierung bürgerschaftlicher Schutzbemühungen und Proteste, die formalrechtliche Ausweisung zum Naturschutzgebiet, die Einrichtung eines Naturparks bis hin zu Versuchen, das Siebengebirge zum Nationalpark zu erheben.

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Förderverein

1989 gründete sich der Verein „Archiv und Museum zur Geschichte des Naturschutzes“. Unter seiner Federführung entstanden erste konzeptionelle Überlegungen zur Gründung der Stiftung Archiv, Forum und Museum zur Geschichte des Naturschutzes in Deutschland.

Nach der Gründung der Stiftung am 5. Dezember 1996 verlagerte der Verein sein Aufgabenfeld. Er unterstützt seither die Arbeit der Stiftung Naturschutzgeschichte, wirbt für sie in der Öffentlichkeit und hilft mit, Vor- und Nachlässe ehren- und hauptamtlicher Naturschützerinnen und Naturschützer einzuwerben.

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